Wie lang sollte ein Blogbeitrag sein?

Immer wieder gibt es Diskussionen darüber, wie lang ein Blogbeitrag sein sollte. Und die Meinungen gehen weit auseinander. Ich selbst messe der Länge eines Artikels in meinem Blog keine allzu große Bedeutung zu. Soll heißen, ich achte nicht darauf, eine bestimmte Anzahl von Wörtern zu erreichen.

Bevorzugen Suchmaschinen lange Inhalte?

Aus Sicht der Suchmaschinenoptimierung machen längere Artikel wohl grundsätzlich Sinn. Inhalte mit einer großen Anzahl von Wörtern gehen meist sehr ausführlich auf ein Problem ein und bieten dem Leser dadurch einen höheren Nutzen. Eine Analyse von serpIQ aus dem Jahr 2012 kommt zu dem Resultat, dass die ersten zehn Suchergebnisse im Ranking durchschnittlich mehr als 2000 Wörter beinhalten.

Durchschnittliche Anzahl Wörter der Top Ten Ergebnisse Google

Allerdings wurde diese Studie nicht explizit in Bezug auf Blogartikel durchgeführt und es wurde auch nicht nur die Anzahl der Wörter im Hauptteil einer Website berücksichtigt. Und ganz sicher kann Google inzwischen auch ganz gut zwischen Texten unterscheiden, die in 2000 Wörtern tatsächlich Nutzen bringen und solchen die einfach nur aufgebauscht sind. Dennoch zeigt die Studie einen Trend.

Die Länge alleine ist nicht entscheidend

Der Google-Algorithmus scheint längere Texte also grundsätzlich für relevanter zu halten. Das würde bedeuten, dass längere Blogartikel mit höherer Wahrscheinlichkeit ganz vorne im Ranking landen. Tatsächlich ist es ja auch so, dass längere Artikel ein Thema meist qualitativ besser abhandeln. Das liegt, zumindest in den meisten Fällen, daran, dass der Autor sich sehr intensiv und ausführlich mit einem Thema beschäftigt hat.

Wer also ganz gezielt auf ein gutes Ranking aus ist, muss zusätzlich zu einer hohen Qualität auch eine entsprechende Quantität bieten um gegen Beiträge zum selben Thema bestehen zu können. Und man sollte immer daran denken, dass man Beiträge nicht für die Suchmaschine schreibt, sondern für Menschen.

Werden lange Artikel überhaupt gelesen?

Ein Hauptargument der Befürworter kurzer Beiträge ist, dass niemand einen langen Beitrag zu Ende liest. Das mag dann zutreffen, wenn der Leser eher zufällig über einen Artikel gestolpert ist. Lesern, die sich für ein Thema interessieren oder die etwas lernen möchten, ist die Länge und Ausführlichkeit eines Blogposts wohl eher egal. Auch hier gilt, wenn die Qualität und Relevanz des Beitrags hoch genug sind, wird die Aufmerksamkeit des Nutzers erhalten bleiben. Ganz egal ob ein Text nun 500 oder 2500 Wörter enthält.

Der Faktor Zeit

Natürlich brauche ich um einen längeren Artikel zu lesen mehr Zeit. Und Zeit ist ja das was wir alle nicht mehr haben. Häufig überfliege auch ich lange Beiträge nur. Ich orientiere mich an der Struktur des Textes und an Zwischenüberschriften, soweit vorhanden. Wir scannen eine Beitrag nach den für uns relevanten Inhalten und filtern so die, für unsere Anforderungen, enthaltenen wichtigen Informationen heraus.

Aber tun wir das nicht auch bei kurzen Artikeln? Sicher ist die Wahrscheinlichkeit, gerade auf dem Smartphone, höher, dass ich einen Artikel mit 500 Wörtern lese als den epischen Beitrag mit 3000 Wörtern. Am Desktop kann das aber schon wieder ganz anders aussehen.

Der Faktor Inhalt

Ein Faktor, der mir in der ganzen Diskussion häufig zu kurz kommt, ist tatsächlich der Inhalt. Es gibt einfach Themen, die man auch in wenigen Sätzen abhandeln kann. Auch Zeitungen und Zeitschriften bieten einen Mix aus ausführlichen und schnellen Informationen. Ein Beitrag wird nicht automatisch besser, wenn man ihn mit Wiederholungen oder irrelevanten Informationen aufbauscht, um eine bestimmte Menge an Wörtern zu erreichen.

Ein Gedicht oder eine Geschichte werden auch nicht unbedingt besser, wenn Sie eine bestimmte Länge erreicht haben. Zumindest mir sind die kurzen und prägnanten stärker im Gedächtnis geblieben.

Der Faktor Medien

Getreu dem Spruch „Bilder sagen mehr als Worte“ werden in vielen Blogposts auch grafische Elemente und Videos anstatt langatmiger textlicher Beschreibungen zum besseren Verständnis eingesetzt. Sind diese Inhalte deshalb weniger relevant oder gar schlechter? Nein, häufig ist sogar das Gegenteil der Fall. Nicht umsonst sind Infografiken bei Internetnutzern so beliebt. Irgendwo habe ich mal gelesen, dass ein Bild etwa 350 Wörtern entspricht. Ein interessanter Ansatz, der aber sicherlich nicht auf jedes Bild anwendbar ist.

Der Faktor Autor

Authentizität ist einer der wichtigsten Faktoren im Online Marketing. Gerade im regionalen Umfeld kleiner Unternehmen ist der Autor eines Unternehmensblogs den Lesern häufig persönlich bekannt. Warum sollte jemand, der im wahren Leben stets auf den Punkt kommt, sich im Internet anders verhalten. Es gibt Menschen, die einen Sachverhalt mit wenigen und einfachen Worten auf den Punkt bringen. Setzt man diesen Menschen ein starres Korsett vor, werden sie sich verbiegen und verlieren damit an Authenzität und in der Folge an Vertrauen.

Die perfekte Länge

Meiner Meinung nach ist die perfekte Länge dann erreicht, wenn Sie in Ihrem Blogpost alles geschrieben haben, was Sie für wichtig und relevant halten. Ob am Ende dann 300 oder 3000 Wörter dabei herausgekommen sind, ist irrelevant. Viel wichtiger ist, dass ihr Beitrag für Ihre Leser einen Nutzen bietet. Qualität und Nutzen eines Beitrags sind meiner Meinung nach unabhängig von der Länge eines Textes. In einem guten Blog sollten sich immer Texte von verschiedener Ausführlichkeit finden und die Waage halten.

Interessanter Fakt

Ich habe heute mal gegoogelt. Für den Suchbegriff „Länge Blogartikel“ sind die ersten drei Ergebnisse bei meiner Suche nicht unbedingt die Längsten. Der längste Artikel unter den ersten drei Ergebnissen hat gerade mal 758 Wörter.

Dieser Beitrag enthält Ca. 800 Wörter und ich finde er ist hier zu Ende. Und was meinen Sie? Ergänzen Sie ihn doch einfach durch Ihren Kommentar.

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Holger Gassenschmidt

Ich blogge zum weit größten Teil zum Thema Online Marketing und SEO für lokale und regionale KMU. Dabei versuche ich immer mein Wissen allgemein verständlich und in einfachen Worten zu vermitteln, um auch Laien und Anfängern den Zugang zu einem sehr umfangreichen Themengebiet zu erleichtern.

3 Gedanken zu „Wie lang sollte ein Blogbeitrag sein?

  • 8 Februar, 2016 um 08:33
    Permalink

    Stimme ich voll zu. Auch, wenn sich die Rankingkriterien in den letzten 4 Jahren wahrscheinlich verändert haben: Gute Beiträge, die in Richtung Expertenwissen und Content-Marketing weisen, machen sich beliebt und gehen nach vorne. Für einen qualitativ guten, umfassenden und ausführlicher Beitrag braucht man vielleicht mehr Lesezeit, – spart aber extrem (!) viel Zeit, weil man keine weiteren Quellen recherchieren, und diese auf ergänzende Inhalte durchforsten muss.

    Antwort
  • 9 Februar, 2016 um 22:29
    Permalink

    Vollkommen einverstanden. Ich betreue etliche Corporate Blogs, da sind die Beiträge oft kurz, manchmal sogar unter der magischen Zahl von 300 Wörtern. Trotzdem führt das zu keinen Abschlägen bei den SERPs.
    »Warum sollte jemand, der im wahren Leben stets auf den Punkt kommt, sich im Internet anders verhalten. Es gibt Menschen, die einen Sachverhalt mit wenigen und einfachen Worten auf den Punkt bringen.« Das sagt es klipp und klar.
    Meine Kunden ranken auf diese Weise ganz ausgezeichnet und sind in den Suchergebnissen, wo sie gerne sein wollen.

    Antwort
  • 13 Juli, 2016 um 06:39
    Permalink

    Diese Fragenstellung ist immer wieder spannend und ich kenne welche Blogger-Kollegen, die ihre 250 Wörter schreiben. Ob solche Artikel bessere ranken, kann ich nicht sagen, denn ich kann da bei Fremden nichts auswerten. Wenn ich meine CMS-Erfahrungsberichte erstelle, passiert es schnell, dass es gut 1000-1200 Wörter und noch viel länger ist. Das darf gerne so sein, denn versuche mal, ein neues CMS in 200 Wörtern zu beleuchten. Das klappt niemals.

    Ich als Blog-Admin und fleissiger Leser anderer Blogs lese alles, was zu meinen Themen ist und auch sehr lange Artikel. Dann kann es schnell passieren, dass ich dann etliche Minuten zum Lesen brauche. Das finde in Ordnung und letztlich bin ich wegen der Inhalte da und es wird bis zum Schluss gelesen.

    Wie die Stammleser des Internetblogger.de drauf sind, weiss ich so nicht und ich vermute mal, dass Artikel mit Mehrwert auch bis zum Ende wahrgenommen sowie gelesen werden. Zudem selbstverständlich arbeite ich mit Listen, Zwischentitel und solchen Sachen. Das war aber nicht immer so und ich habe mit den Jahren dazu lernen können.

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