Online Marketing heute und morgen – Das müssen KMU wissen

Jedes Unternehmen sollte heute über die Möglichkeiten des Online Marketings informiert sein. Das gilt auch für kleine, mittelständische und lokale Unternehmen – auch wenn diese das häufig nicht wahrhaben wollen.

Das Potenzial von Online Marketing wird aktuell von vielen KMU meist nur in geringem Umfang ausgeschöpft. Die Gründe sind so vielfältig wie die Unternehmen unterschiedlich. Skepsis gegenüber der Technologie, mangelndes Know-how, falsche Erwartungen und ungenügende zeitliche Ressourcen gehören sicherlich zu den häufigsten Hindernissen, wenn es darum geht digitales Marketing in kleinen Unternehmen umzusetzen.

Natürlich kann niemand erwarten, dass kleine und mittelgroße Unternehmen über jeden Hype wie Snapchat, Instagram, Influencer Marketing, Customer Journey oder Rich Snippets informiert sind. Aber es gibt einige grundsätzliche Trends mit denen sich auch KMU auseinandersetzen sollten.

Mit diesem Beitrag möchte ich versuchen, zumindest etwas Licht ins Dunkle zu bringen und über den Nutzen einiger aktueller und zukünftiger Trends aufzuklären.

1. Mobile Websites

Die mobile Nutzung des Internets wird nicht erst in ein paar Jahren kommen. Sie ist schon da. Google erhält in einigen Ländern bereits heute mehr Suchanfragen über mobile Endgeräte als von stationären Desktop-Computern . Während der Durchschnittsonliner rund 108 Minuten täglich im Netz unterwegs ist, sind es bei den Onlinern mit mobilem Zugang 158 Minuten. Unternehmen, die Ihre Website nicht für die Verwendung mit Smartphones optimieren, verzichten damit auf eine große Anzahl von potenziellen Interessenten und Kunden. Zum einen wird Google diese Websites, nach und nach, in den mobilen Suchergebnissen immer weiter nach hinten verschieben.  Zum anderen aber werden sich auch Bestandskunden bei mobilen Recherchen zunehmend frustriert abwenden.

2. Micro Moments

Ein Micro Moment ist eine von einer Absicht oder einem Gedanken geleitete Aktion auf einem mobilen Endgerät. Immer wenn Menschen spontan das Smartphone nutzen um ein Bedürfnis zu befriedigen, etwas zu lernen, etwas zu unternehmen, etwas zu entdecken oder etwas zu kaufen, ergeben sich, auch und gerade im lokalen Bereich, Gelegenheiten dem Suchenden eine Lösung für seine Anforderungen zu bieten.

 des richtigen Inhalts, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit

Die ständige Verfügbarkeit des Internets hat zu einer grundsätzlichen Verhaltensänderung von Konsumenten geführt und wird zukünftig zu einem weiteren Anstieg von mobilen Suchanfragen beitragen. Unternehmen müssen dieser Entwicklung Rechnung tragen und Inhalte bieten, die genau das liefern, was potenzielle Kunden im Alltag suchen. Erst durch die Bereitstellung des richtigen Inhalts, am richtigen Ort, zur richtigen Zeit und in einer für das verwendete Endgerät optimierten Form wird Ihr Angebot für Interessenten relevant. Micro Moments sind ein wichtiges Thema, das gerade für lokale Unternehmen enorme Chancen eröffnet.

3. Apps

Mit der steigenden Zahl der Smartphones steigt auch die Anzahl der Apps. Apps werden derzeit häufig als Alternative oder Ergänzung zur mobilen Website angepriesen. Das Problem mit den Apps ist aber, dass die Menschen zwar bereit sind Apps herunterzuladen, diese allerdings nur dann verwenden, wenn sie tatsächlich einen Mehrwert bieten.

Die Entwicklung von Apps und deren Verbreitung sind mit relativ hohem Aufwand und nicht unerheblichen Kosten verbunden und daher für kleine Unternehmen, meiner Meinung nach, eher ein ungeeignetes Marketinginstrument. Der Wettbewerb in den App-Stores ist riesig und damit Nutzer eine App finden, downloaden und nutzen, muss diese schon spezielle Wünsche erfüllen. Allerdings könnte es sich anbieten gemeinsam mit anderen Unternehmen, beispielsweise innerhalb eines Gewerbevereins, eine regionale App zu entwickeln.

KMU, die auf den Einsatz einer App nicht verzichten möchten, sollten sich vorab intensiv Gedanken darüber machen, welchen Nutzen sie dem Kunden damit für unterwegs bieten können.

4. Video

Jeder Internetuser hat sicherlich schon irgendwann einmal ein YouTube-Video geschaut. 91 Prozent der Social Media-Nutzer in Baden-Württemberg, Thüringen und NRW nutzen laut ‚Social Media-Atlas 2015/2016‘ das Internet-Videoportal YouTube. In den anderen Bundesländern liegt, mit Ausnahme von Sachsen, die Quote nur geringfügig niedriger.

Statistik: Anteil der Nutzer von YouTube an Social Media-Nutzern in Deutschland nach Bundesländern im Jahr 2015 | Statista
Mehr Statistiken finden Sie bei Statista

Diese Zahlen sprechen eindeutig für die Nutzung von Videos im Online Marketing. Grundsätzlich muss man aber hinterfragen welche Videos auf YouTube wirklich angesehen werden. Millionenfache Klickzahlen wie die Superstars oder eine vergleichbare Anzahl an Views wie bei Katzenvideos erreichen KMU nämlich üblicherweise nicht.

Videos die von mittelständischen Unternehmen eingestellt werden, müssen sich meist mit deutlich weniger als 1000 Views zufrieden geben. Ausnahmen stellen dabei bestenfalls Erklärvideos dar.

Auch für Videos gilt das Prinzip des Mehrwerts. Wer es schafft ein nützliches How-to-Video zu erstellen, kann damit sicherlich auf sich aufmerksam machen und Interessenten erreichen. Reine Imagefilmchen oder langweilige Werbevideos werden sich nur wenige Menschen ansehen.

6. Markenbildung

In der Vergangenheit beschränkte sich Markenbildung für kleine und mittelständische Unternehmen häufig auf die Erstellung eines Logos, den Druck von Visitenkarten und das Design von Flyern und der eigenen Website. Heute sollten auch KMU das Thema Branding ganzheitlich betrachten. Die Schaffung eines Alleinstellungsmerkmals und die Differenzierung von Wettbewerbern erfordern eine Veränderung der externen Kommunikation ebenso wie die Überprüfung und Verbesserung interner Prozesse. Markenbildung 2016 bedeutet, im Rahmen der Kommunikation mit Interessenten und Kunden positive Emotionen zu wecken und diese immer wieder zu bestätigen. Professionelles Auftreten von Mitarbeitern, eine einheitliche und durchgängige optische Darstellung, online und offline, und eine konsistente und wiedererkennbare Text- und Bildsprache sind Anforderungen, die Kunden zukünftig auch von kleinen Unternehmen vermehrt erwarten werden.

 

Branding kleine Unternehmen

7. SEO

Suchmaschinenoptimierung ist eine Disziplin, die ständigen Veränderungen unterworfen ist. Zum einen hat sich das Suchverhalten der Menschen in den letzten Jahren, auch durch mobile Nutzung, erheblich verändert, zum anderen optimiert Google seinen Suchalgorithmus immer weiter. Was Unternehmen vor einigen Jahren noch einen Vorteil im Ranking verschaffen konnte, kann heute schon schädlich sein.

Grundsätzlich hat sich jedoch auch der Fokus verschoben. Wer heute noch, ohne Rücksicht auf Besucher, rein für Suchmaschinen optimiert wird keinerlei Erfolge verbuchen. Modernes SEO muss auf die Bedürfnisse von Menschen und entsprechend der jeweils genutzten Endgeräte ausgerichtet sein. Suchanfragen werden nicht mehr nur über die Tastatur eingegeben, sondern immer häufiger auch gesprochen. Gesucht wird nicht mehr nur über die Google-Suche, sondern immer häufiger auch in Facebook, Amazon und anderen Webanwendungen.

Verändert haben sich aber auch die Ziele. Es geht heute und in Zukunft immer weniger darum, Menschen in großer Anzahl auf eine Website zu locken. SEO muss verstärkt Zielgruppen, deren Wünsche und Intentionen, das Nutzerverhalten und die verschiedenen verwendeten Endgeräte berücksichtigen. Die Bemühungen von KMU sollten grundsätzlich gezielt darauf ausgerichtet sein Neukunden zu  generieren und Bestandskunden enger an das eigene Unternehmen zu binden.

8. Content

Suchmaschinenoptimierung und Content gehören zusammen. Die regelmäßige Erstellung von Inhalten, egal in welcher Form, liefert die Grundlage für Backlinks und erzeugt neue Schlüsselbegriffe, zu denen Ihr Unternehmen im Internet gefunden werden kann. Bilder, Videos, Infografiken und Texte lassen sich in den sozialen Netzwerken teilen und generieren damit neue Besucher. Wer regelmäßig neuen Content erstellt und diesen optimiert, wird wahrgenommen und profitiert letztendlich.

Unternehmen müssen sich, in Zukunft noch mehr als heute, über einzigartigen Content und kreative Ideen von Wettbewerbern unterscheiden. Wer sich vom Rest abheben möchte, muss bereit sein Interessenten eine Website und Social Media Auftritte zu bieten, die beim Besucher die Lust auf mehr wecken. Nur wer es schafft wirklich gute Bilder, Videos, Infografiken und überzeugende Texte bereitzustellen, wird im Web positiv wahrgenommen und geteilt.

Gutes Online Marketing erfordert ein klares Konzept, intensive Planung und die Bereitstellung relevanter Inhalte, egal in welcher Form. Das Schöne ist, es lohnt sich.

9. Messenger

Auch Messenger haben unsere Art zu kommunizieren in den vergangenen Jahren erheblich verändert. In Deutschland liegt alleine die Anzahl der WhatsApp Nutzer etwa bei 35 Millionen. Für den Facebook Messenger schätzt die buw Unternehmensgruppe die Anzahl aktiver Nutzer in Deutschland auf ca. 14,5 Millionen. Kein Wunder also, wenn immer mehr der großen Marken versuchen WhatsApp, Facebook Messenger oder Snapchat in die Marketing-Strategie zu integrieren. Aber lohnt sich der Einsatz auch für KMU?

Messenger, Whatsapp, Snapchat

Natürlich bietet sich die Verwendung von Messengerdiensten in erster Linie zur Kommunikation mit den Kunden an. Viele Menschen bevorzugen inzwischen Textnachrichten gegenüber Telefongesprächen oder dem Kontakt über soziale Netzwerke. Gerade im Vergleich zum Telefon bieten Messenger den Vorteil, dass man auch Bilder oder Videos direkt übermitteln kann um Fehler und Schäden zu diagnostizieren oder Anleitungen zur Selbsthilfe zu geben.

Je nach Branche und Unternehmen bieten sich Messenger aber auch zur Verbreitung von Veranstaltungsterminen, Events oder spezieller Angebote an. Eine weitere Nutzungsmöglichkeit kann der Versand aktueller Nachrichten oder sogar von Newslettern sein.

Mein Fazit

Online Marketing ist eine Sache die auch kleine und lokale Unternehmen nicht ignorieren dürfen. Wer auch in Zukunft im Wettbewerb bestehen möchte, muss bereit sein den technologischen und gesellschaftlichen Veränderungen Rechnung zu tragen. Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen und die Art und Weise wie wir kommunizieren, wird sich weiter verändern.

Gerade für KMU muss Online Marketing immer auch individuelle Voraussetzungen und Prozesse berücksichtigen. Jedes Unternehmen ist einzigartig und benötigt eine auf die eigenen Stärken ausgerichtete Strategie. Um als KMU ein passendes Konzept zu entwickeln, ist es daher notwendig zumindest im Ansatz zu verstehen, welche Möglichkeiten es überhaupt gibt.

Informieren Sie sich im Internet, lassen Sie sich von Experten beraten und finden Sie den für Sie richtigen Weg. Denn eines ist sicher: Es lohnt sich.

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Holger Gassenschmidt

Ich blogge zum weit größten Teil zum Thema Online Marketing und SEO für lokale und regionale KMU. Dabei versuche ich immer mein Wissen allgemein verständlich und in einfachen Worten zu vermitteln, um auch Laien und Anfängern den Zugang zu einem sehr umfangreichen Themengebiet zu erleichtern.

Ein Gedanke zu „Online Marketing heute und morgen – Das müssen KMU wissen

  • 26 Juni, 2016 um 15:04
    Permalink

    Hallo Holger,
    wunderbarer Beitrag. Insbesondere KMU vernachlässigen die Onlinepräsenz leider immer noch. Du findest wie immer die richtigen Worte mit Blick auf die kleineren Unternehmen. Werde deinen Artikel auch gerne teilen.
    LG Thomas

    Antwort

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